Thomas erzählt seine Eindrücke: Valparaíso

Um nicht nur Santiago zu sehen, verschlug es mich in die historische Hafenstadt Valparaíso mit seiner bewegten Geschichte.

Sich das 4300 Kilometer lange Land in nur einem Urlaub anzusehen ist eher illusorisch, dafür braucht es ein Sabbatjahr.
Um neben Kultur und Lebensart auch ein wenig Wasser zu Gesicht zu bekommen, war klar das ein Abstecher an den Pazifik einfach sein muss. Da bietet sich Valparaíso natürlich an. Nicht nur weil es dort ans Meer geht, sondern auch weil es ein kulturelles Zentrum, Parlamentssitz und die zweigrößte Stadt des Landes ist.

Wie am besten hinkommen?

Von Santiago nach Valparaíso sind es knappe 140 Kilometer, zu weit zum Laufen, zu kurz zum Fliegen, eine Bahnstrecke gibt es nicht. Wer nicht trampen mag oder das Geld für einen Mietwagen sparen möchte nimmt den Bus. Online buchen kann man als ausländischer Gast in Chile nicht, es fehlt die Identifikationsnummer, eine Art Ausweisnummer. Allerdings sind die Verkaufsstätten an den Busbahnhöfen gut mit Personal versehen, und entsprechend übersichtlich sind die Wartezeiten. Ähnlich wie bei unseren Fernbussen und Bahnen hängen die Preise von Vorbuchungszeiträumen und aktueller Nachfrage ab. Für mich waren es keine 10 Euro hin und zurück, für die zweistündige Fahrt, samt Sitzplatzreservierung und mit offener Rückfahrt für mehr Flexibilität. Muss man Listenpreis zahlen ist es etwas mehr, aber auch noch eher günstig.
Los ging es vom Busterminal Terminal Alameda, runde 500 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Zumindest als ich dort war, funktionierten die elektronischen Anzeigetafeln nicht. Das macht mich als nicht Spanisch sprechendem Reisenden durchaus nervös, allerdings fahren alle Busse nach Valparaíso vom gleichen Bussteig. Die Busfahrt selbst ist, bis auf die ungewohnte und schöne Landschaft links und rechts, unspektakulär. Pünktlich sind die Busse auch. Da ich nicht abschätzen konnte wie lange ich zum Bus-Bahnhof brauchen würde, war ich recht früh dort, und in der Zeit fuhren ca. 15 Busse. Man hätte die Uhr danach stellen können. Da können sich unsere Fernbusse ein, zwei Scheiben von abschneiden.

Ankommen

In Valparaíso angekommen führt der erste Weg natürlich ins Hostel. Ich hatte zwar nur einen Messenger Bag dabei, aber den wollte ich auch nicht den ganzen Tag mit mir rum tragen. Zwar liegt das Terminal Rodoviario Valparaiso am Rande des Herzens der Stadt, allerdings ist es eine Besonderheit der Hafenstadt, das dort eigentlich niemand wohnt. Die meisten Hostels liegen deshalb auch eher irgendwo auf den Hügeln, dort wo die meisten auch wohnen. Meines, das Hostal Armando, lag natürlich auf der anderen Seite der Bucht, ganz oben auf.

Wie man in der Stadt vorwärts kommt

Um dorthin zu kommen gibt es mehrere Möglichkeiten. Man könnte ein Taxi nehmen, diese sind allerdings Touristenfallen auf vier Rädern und sollen selbst gemessen an deutschen Taxi Preisen nicht billig sein. Uber gibt es ins Valparaiso inzwischen auch, aber mit der, ebenso wie in Santiago, eher schlechten Verfügbarkeit von Datennetzen, konnte ich keinen Uber bestellen. Meine diesbezügliche Pechsträhne hielt also an. Man könnte die Valparaíso Metro nehmen. Sicherlich eine gute Wahl, wenn man auch Viña del Mar, Quilpué, Villa Alemana oder Limache[ besuchen möchte, fährt aber nur entlang der Küste und es gibt keine Einzelfahrkarten. Man muss also eine aufladbare Wertkarte kaufen. Die Gleise der Metro führten früher einmal bis nach Santiago und liegen teilweise schon seit 1863. Kleine Busse erreichen fast jeden Winkel der Stadt, aber deren Benutzung zu verstehen benötigt ein wenig Recherche. Die machen aber Spaß, auch weil die Fahrer damit durch die Stadt brettern als würden sie nach Durchschnittsgeschwindigkeit bezahlt.
Darüber hinaus gibt es allerdings auch noch Oberleitungsbusse, die innerhalb Valparaísos parallel zur Metro fahren, noch mit den Originalfahrzeugen von 1952, praktisch direkt am Fernbus-Bahnhof. Einer davon brachte mich für 270 Pesos, die Metro-Wertkarte allein kostet schon das Vierfache, zum Fuße des Cerro Artillería. Von da war es noch eine kurze halbe Stunde rauf auf den Berg. Ich hätte auch einen der vielen Schrägaufzüge der Stadt nehmen, den Ascensor Artillería, aber ich wollte ja was sehen.

Wo schlafen?

Hotels sind in der Stadt, zumindest außerhalb der Hauptsaison, deutlich günstiger als in Santiago und 3 bis 4 Sterne gibt es schon für rund 50,- EUR die Nacht. In der Hauptsaison sind Hotels jedoch 2- bis 3-mal so teuer, während die meisten Hostels eine ganzjährig gültige Preisliste haben. Im Hostal Armando kostet das „Penthouse“ mit eigenem Bad 25.000 Pesos, gute 30,- EUR, und das lohnt sich. Der Ausblick ist phänomenal und man wird direkt im Bett von einem wunderschönen Sonnenaufgang begrüßt. Das Zimmer ist natürlich Hostel typisch schlicht.

Die Hostel-Besitzerin gab noch ein paar Tipps was man sich ansehen kann, welche Viertel man vor Einbruch der Dunkelheit verlassen haben sollte, weil es keine Straßenbeleuchtung gibt. Und welche man ganz meiden sollte wenn einem Leben, Hab und Gut wichtig sind. Ihr O-Ton.
Erst mal umschauen, und so mäanderte ich durch die kleinen Straßen, Gassen und Treppen wieder hinab ins Tal. Die lokale Architektur mit ihren bunten Farben wirkt für Touristen wunderbar pittoresk, ergibt sich aber eher aus Geldmangel. Die traditionelle Bauart verwendet Wellblech für Dächer und teilweise Wände weil die früher im Hafen oft als Schrott angefallen sind, und die bunten Farben sind reiner Wetterschutz für das Metall. Man nahm halt die Farben, die beim Streichen der Schiffe übrig geblieben sind. Aber schön ist es.
Unten in der Ebene sieht man deutlich wie reich die Stadt einmal gewesen sein muss. Edle Herrenhäuser, wunderbare Stuck Verzierungen, Blattgold und auch sonst alles was ein Haus schöner macht. Man sieht aber auch überdeutlich, dass diese glorreichen Zeiten schon lange her sind. Der Zustand vieler Gebäude ist erbärmlich. Der Wiederaufbau der beim 2010er Erdbeben eingestürzten Halle des Hauptmarktes hat gerade erst begonnen, von den ehemals 91 Läden, Restaurants und Kaffees rund um den Markt haben nur zwei überlebt – ohne Markthalle blieb die Kundschaft aus.

Streetart Free City tour

Solche Informationsschnipsel bekommt man auf den geführten Touren von Tour4Tipps, die starten um 10 und 15 Uhr am Plaza Sotomayor. Gezahlt wird was auch immer man für angemessen hält, wobei die Tour-Guides englischsprachigen Gruppen wohl meist 10.000 Pesos nahelegen und den Einheimischen nur 5000. Die finde ich auch durchaus angemessen.
Diese Touren bieten auch eine gute Möglichkeit die schönsten Graffiti der Stadt zu sehen, davon gibt es einige, und manche davon sind wirklich beeindruckend. Während die Graffiti Santiagos oft Werbung oder einfach nett anzusehen sind, ist die Farbe an der Wand hier gerne deutlich politischer oder gesellschaftskritischer angehaucht. Aber zu denen hat Sarah ja schon einiges geschrieben. Siehe hier:

Die Tour ist auch eine gute Gelegenheit sich die Busse erklären zu lassen oder sich ein paar Tipps für Restaurants zu besorgen. Das ist auch keine schlechte Idee, denn an gastronomischen Touristenfallen mangelt es nicht. Das ist in etwa so schlimm wie in Prag oder Venedig.

Die Touren und die Stadt insgesamt zu sehen ist grundsätzlich fußläufig gut zu machen, zumindest wenn man sich nicht an Höhenmetern stört. Die überwindet man hier reichlich, gefühlt läuft man eigentlich immer entweder steil bergan oder ab. Und steil ist hier wirklich steil, es gibt Straßen auf denen PKWs nicht hoch kommen. Allerdings sollte man hier auch wirklich darauf achten wo man hin tritt. Hier fehlt nur nicht nur ab und an ein Pflasterstein oder ein Schlagloch ziert den Weg, hier fehlen große Gullideckel, mit klaffendem Loch direkt metertief in die Kanalisation darunter. Ein Grund mehr nachts nur gut beleuchtete Wege zu nutzen.

Schönes Ambiente!

Schön an Valparaíso ist die offensichtliche Lebensfreude der Menschen dort. Man sieht viel Lachen, freundliche Menschen, die angeregte Gespräche führen und noch einen Tick mehr Kleinkunst und Musik als in Santiago. Das ist schon ein deutlicher Unterschied zu den, zwar immer freundlichen, aber doch deutlich gehetzter wirkenden Großstädtern in Santiago.
Gerade weil Valparaíso von Santiago so komfortabel zu erreichen ist, sollte die Stadt zu jedem Chile Trip dazu gehören. Wer nur kurz Seeluft schnuppern und ein paar Highlights sehen möchte, kommt sicherlich auch gut mit zwei vollen Tagen aus.

(C) Thomas

Kommentar verfassen