Pucón – Arbeiten in Chile

Pucón ist nicht nur ein Ort zum Entspannen und für Aktivitäten. Für viele bietet Pucón während der Sommersaison im Januar und Februar die beste Gelegenheit zum Arbeiten.

Denn Pucón ist nicht nur für Touristen eine Anlaufstelle bevor es weiter nach Torres del Paine geht. Nein, Anfang Februar ist die „Stadt“ voll von Einheimischen, Landesnachbarn Argentiniern und natürlich Touristen.

Ich hatte mich vorab ja gleich für das Work and Holiday Jahr entschieden. Nach 5 Monaten wurde die Zeit reif und es musste jetzt erstmal gearbeitet werden. Sonst war es das mit der Reise!

Wie ich nach Pucón kam

Schon im Juli hatte ich mich für eine Stelle in einem deutschen Landhaushotel in Pucón beworben. Startzeit war im November und nun war es auch schon soweit mich auf den Weg zu machen. Aber ich war nicht mehr alleine unterwegs. Nico sollte mich nun begleiten und so fragte ich nach, ob ich ihn mitbringen kann und Sie eventuell auch einen Arbeitsplatz haben. „Bring ihn mit, bis Dezember ist definitiv noch etwas frei.“ So habe ich von Arequipa bis nach Pucon mitgezogen. Leider hat das alles nicht so geklappt, wie ich das gedacht habe. Für 200 EUR (150.000 CLP) sollte ich monatlich 192 Stunden schieben. + Trinkgeld + Unterkunft + 2 Mahlzeiten am Tag.  Zur Hauptsaison in Pucón. Und ich bin zwar nicht gelernte Hotel,- /Restaurantfachfrau, aber ich arbeitete seit 5 Jahren in der Gastro und da kam mir die Bezahlung doch sehr schlecht vor. Mit der Bezahlung wollten Sie nichtmal um das doppelte höher gehen. Was immer noch gerade mal 400 € wären.

Aber das hatte sich nach einer Woche eh erledigt, da Nico nicht bleiben durfte und ich die Chance nutzte gleich mit ihm den Ort zu verlassen. Es war ein wirkliches süßes Hotel, aber die deutschen Inhaber sind definitiv schon zu Chilenisch. Das ist keine gute Kombination. Viel erwarten und arbeiten, wenig bezahlen und einsehen. Naja.

Volunteer muss her!

50 € hab ich für die 6x 8 Stunden arbeiten bekommen. Wir sind am regnerichsten Tag in die Innenstadt Pucón gezogen und haben uns erstmal n richtigen Latte Macchiato gegönnt. Wer nach Südamerika reißt, kann sich nämlich nur auf Instantkaffee einstellen. Selbst in Restaurants gibt es selten Maschinienkaffee.

Café Berlin!

Danach ging es zum nächsten Hostel. Paradise Pucon. Und siehe da. Neues Hostel, neues Inhaber, brauchen dringend Freiwillige, die die ganze Saison dableiben. Perfect. Nico und ich konnten gleich am nächsten Tag anfangen. Die Organisation war noch labil, da das Hostel im September 2016 erst wieder aufgemacht hat. Aber das junge Pärchen war sehr nett und hilfsbereit und so machten wir Feinschliffe und Organisation der Volunteers zusammen. Es war schön mit anzusehen, wie sich das Hostel während der Saison veränderte und wuchs.

…und jetzt Arbeit muss her!

So, Schlafplatz und Vollverpflegung wäre gesichert. Jetzt muss das Geld langsam eintrudeln. Ich hatte mir bereits Geld von meiner Familie leihen müssen, da es knapp wurde.

Nico fand schnell einen Job in einer Touristenagentur. Da ich legalen Aufenthalt hatte, aber mein Spanisch noch schlecht war, viel es mir schwieriger etwas zu finden.  Esteban, der Inhaber des Hostels besitzte zufällig auch ein kleines mexicanisches Restaurant und bot mir ein Job an. Wohlwissend, wie schlecht mein Spanisch war, schickte er mich erstmal in die Küche, um die Gerichte zu lernen. 3 Tage später wurde ich als Kellnerin auf die Leute gelassen.

Cielito Lindo

Ich hatte wohl mehr Glück, als Verstand diese Chance zu bekommen. Esteban, so wie seine Frau Mey, haben beide vorher gereist und waren beide in der selben Lage. Fremdes Land, fremde Sprache, Kein Geld. Und deswegen glaubten Sie, dass ich das auch ohne viele Spanischkenntnisse schaffen kann. Und natürlich wegen meiner deutschen Arbeitseinstellung.

Anfang November fing ich also langsam an, wirklich meine Spanischkenntnisse herauszukramen. Meine Kollegen sprachen alle kein Englisch. So blieb nur Spanisch und ich wurde schnell besser. Auch wenn Pucon eine Touristenstadt ist, die meisten Gäste waren Chilenen oder Argentinier. Wenig Ausländer vergleichsweise.

„Sol-Lounge“ im oberen Bereich

Gelernt, gesprochen und siehe da. Ich konnte nach einem Monat schon Konversationen haben. Viel besser, die Hauptsaison fing an, und so wurden wir mehr Personal im Restaurant. Mit mehr Leuten braucht man eine Person, die auf alles ein Auge hat und sich um die Organisation kümmert. Siehe, da, zu Weihnachten wurde ich zur Oberkellnerin befördert.

Work Work Work

Dezember und bis Mitte Januar war noch alles recht easy. Ende Januar und den ganzen Februar ging es aber richtig zur Sache. Wir hatten täglich von 11:00 – 03:00 geöffnet. Drei  Schichten System und wenig Schlaf. Ich muss leider auch sagen, die Arbeitsmentalität der Chilenen lässt zu wünschen übrig. Meine Kellnerbabys waren mehr am quatschen oder am Handy oder Kleinigkeiten machen, als mir lieb war. Der eigene Instinkt wirklich arbeiten zu wollen fehlte. Sich besser um die Gäste zu kümmern war auch nicht drin. Freiwillig in der Küche oder Bar zu helfen, die Kühlschränke wieder mit Flaschen zufüllen oder einfach den Boden zu fegen, wenn es ruhiger ist, wurde gar nicht in Betrach gezogen. Mit Anstoß erledigten Sie diese Aufgaben, aber das zerrte wirklich an den Nerven. Eigeninitative war gar nicht vorhanden.

Staff Team zum Neujahr

Zeitgleich arbeitete ich noch 5 Stunden im Hostal. 13 Stunden Tag, harte Arbeit, wenig Schlaf. Aber es hat sich gelohnt. Mit einem Monatslohn von 300.000 CLP = 400 EUR und einem Trinkgeldgewinn von 100  140 EUR (Februar) in der Woche füllte sich mein Bankkonto bald wieder ins Plus und ich konnte meine Familie und Rechnungen wieder bezahlen und das wichtigste: Mein Flugticket nach Hause! Knapp 700 EUR blieben dann auch noch fürs Reisen übrig.

Die 5 Monate vergingen wie im Flug. Mir hat das Arbeiten sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war. Zu sehen, wie schnell sich mein Spanisch verbesserte, gab mir noch das Sahnehäubchen. Freundschaften wurden geschlossen. Wir haben viel gelacht. Viel getrunken und reichlich mexikanisch gegessen. Die Entscheidung, dass Landhaus zu verlassen, war definitiv die richtige!

Kennt ihr das auch oder hattet Ihr auch so viel Glück wie ich? Arbeiten in einem fremden Land, wenn es wirklich notwendig ist? Ohne gute Sprachkenntnisse? Lasst mir eure Meinung und Erfahrung im Kommentar da. 

Kommentar verfassen